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Interview mit Esmeralda Lopes

Beinahe 1.400 Kilometer Erdgasleitungen verlaufen unsichtbar unter unseren Füßen. Esmeralda Lopes vom Kartographiedienst bei Creos erfasst nach der Verlegung jeden einzelnen Zentimeter und zeichnet die Leitungen auf einem Plan ein, um eine exakte Übersicht über das Erdgas Netz zu erstellen.

Guten Tag Frau Lopes. Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview für unsere Herbstausgabe der Creos News zur Verfügung stellen. Wie lautet Ihr genauer Titel?

Zeichnerin.

Worin genau besteht Ihre Funktion?

Ich gehöre dem Kartographiedienst an. Ich zeichne die Pläne der unterirdischen Erdgasleitungen. Ich vermesse auf den Baustellen die Leitungen mithilfe eines mit Satelliten verbundenen GPS. Anhand dieser Daten erstelle ich anschließend die Pläne, die zeigen, wo die Leitungen verlaufen. Diese Arbeit wird am Computer gemacht und die Pläne werden dann auf Papier ausgedruckt. So können die Erdgasleitungen genau geortet werden. Dies ist für spätere Interventionen zwingend notwendig und hilft den Bauunternehmern, Unfälle auf ihren Baustellen zu vermeiden.

Welche Ausbildung und welche Fähigkeiten sind für diese Funktion notwendig?

Ich verfüge über ein Zeugnis über die fachliche und berufliche Befähigung (CATP) als Gebäudezeichnerin. Dies entspricht der Grundausbildung für das Zeichnen von Plänen. Üblicherweise werden die Messungen auf der Baustelle von Geometern vorgenommen, doch ich habe die nötigen Kenntnisse für meinen Job in der Praxis erworben.

Wie haben Sie bei Creos angefangen?

Ich begann meine Laufbahn bei Creos 2006 als Zeichnerin. Damals verwendeten wir für die Messungen noch einfache Messbänder und fertigten Skizzen mit Notizen an. Das GPS wurde Ende 2007 eingeführt. Wir mussten zuerst eine spezielle Schulung absolvieren, um es verwenden zu können. Dieses System ist viel exakter und effizienter.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut?

Die Vielfalt und die Flexibilität. Ich arbeite weder acht Stunden im Büro noch acht Stunden im Freien, sondern etwa zur Hälfte im Innen und zur Hälfte im Außendienst. In der ersten Tageshälfte erstelle ich die Pläne und in der zweiten nehme ich auf den Baustellen Messungen vor. Ich fahre zwar alleine zwischen den Arbeitsorten hin und her, doch auf den Baustellen bin ich immer in Gesellschaft von Kollegen. Ich bin also oft mit Menschen in Kontakt.

Über welche menschlichen Qualitäten muss man verfügen?

Man muss den Kontakt zu anderen Menschen mögen, insbesondere auf den Baustellen. Außerdem bin ich die einzige Frau unter Männern. Es ist sehr wichtig zu zeigen, dass wir uns alle auf derselben Ebene befinden und im Dienste von Creos und den Kunden stehen. Der Kontakt zum Bauleiter ist ebenfalls sehr wichtig. Ich sehe die Leitungen immer als letzte und kontrolliere, ob diese von Steinen befreit sind und ob der Sand auch tatsächlich überall vorhanden ist, wo dies erforderlich ist, usw. Nachdem ich die Messungen vorgenommen habe, kann man nichts mehr ändern.

Erzählen Sie uns doch eine Anekdote aus Ihrem Arbeitsalltag …

Am Anfang war es für mich als Frau auf den Baustellen nicht ganz einfach. Bei der Arbeit auf Baustellen trägt man spezielle Kleidung. Damals zog ich mich noch hinter dem Lieferwagen um. Einmal begab ich mich nach dem Messen zum Umkleiden, als ich hörte, wie die Kollegen dem Baggerführer zuriefen, er solle doch endlich den Sand ins Loch schütten. Ich sah mich um und bemerkte, dass der Baggerführer – offensichtlich völlig fassungslos – stattdessen nur mich anstarrte. Seitdem ziehe ich mich immer um, bevor ich mich auf die Baustelle begebe.

Hat die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, irgendwelche Auswirkungen?

Auf jeden Fall. Man benötigt eine starke Persönlichkeit. Am Anfang wurde ich nicht wirklich respektiert. Man nahm mich auf den Baustellen nicht ernst. Ich musste kämpfen, um zu beweisen, dass ich meiner Aufgabe gewachsen war. Doch inzwischen läuft alles gut.

Welche Karriereaussichten gibt es?

Ich bin mit meiner derzeitigen Position sehr zufrieden. Ein logischer Schritt wäre es, Projektleiterin zu werden. Gegenwärtig ist das für mich aber kein Thema. Dafür liebe ich meine jetzige Arbeit viel zu sehr.

Vielen Dank Frau Lopes, dass Sie unsere Fragen beantwortet haben.

Ich danke Ihnen.