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Interview mit Servais Rodesch

25 Jahre auf dem Zähler

Die Türglocke klingelt. „Guten Tag, Firma Creos, ich soll Ihre Zähler ablesen.“ Diesen Satz wiederholt Servais Rodesch jeden Tag immer wieder. Der Ableser, der gewährleistet, dass der Verbrauch richtig verrechnet wird, kann als Bindeglied zwischen Creos und dem Endkunden auch viele Ihrer Fragen beantworten.

Guten Tag Servais. Zählerableser, ist das Ihre erste berufliche Tätigkeit?

Ich habe ein Jahr bei der Krankenkasse gearbeitet, dann bin ich zu Cegedel in die Buchhaltung gekommen. Im Dezember 1988 bin ich in die Abteilung Zählerablesung versetzt worden. Es gab eine freie Stelle und ich habe mich darum beworben. Meine Bewerbung ist angenommen worden. Ich bin der zweitdienstälteste Zählerableser. Wir sind elf Leute, die regelmäßig ablesen. Wir haben auch acht Ableser, die auf Anfrage ablesen, bei Umzügen, Beschwerden und zur Kontrolle bei ungewöhnlichem Verbrauch. Einer dieser acht Ableser vertritt die regelmäßigen Ableser, wenn sie Urlaub nehmen oder krank sind.

Wie oft werden die Zähler abgelesen?

Als ich begonnen habe, wurde viermal jährlich abgelesen, dann nur mehr zweimal, jetzt einmal und in fünf Jahren soll gar nicht mehr abgelesen werden. Früher haben die Ableser sogar vor Ort kassiert. Heute wäre das nicht mehr möglich.

Wie viel Zähler lesen Sie jeden Tag im Schnitt ab?

Durchschnittlich 130 Zähler. An manchen Tagen sind es 300, an anderen knapp 100, zum Beispiel in kleinen Dörfern mit entfernt gelegenen Höfen. Uns wird aber keine bestimmte Anzahl pro Tag vorgeschrieben.

Informieren Sie die Endkunden, wann Sie kommen?

Nein, bei 245.000 Zählern wäre das zu aufwändig. Aber wir lesen meistens zur selben Zeit ab. In Differdingen z.B. wissen die Kunden, dass ich im Februar komme. Wir kommen einmal vorbei, wenn niemand anwesend ist, kündigen wir einen zweiten Besuch an oder hinterlassen eine frankierte Postkarte, die der Kunde ausfüllen und aufgeben kann.

Wie wissen die Kunden denn, dass Sie kein Betrüger sind?

Wir tragen Jacken und Schirmmützen mit dem Creos-Logo sowie einen Ausweis mit unserem Foto. Die meisten Kunden kennen uns aber schon oder können sich an uns erinnern.

Anekdoten?

Am Anfang meiner Laufbahn hatte ich eines Tages unwahrscheinliches Glück. Es roch nach Benzin in dem Haus wo ich ablies. Die Kundin meinte nur, ihr Mann würde im Keller einen Motor reparieren und hätte einen Kanister umgestoßen. Es roch wirklich sehr stark nach Benzin. Eine halbe Stunde, nachdem ich das Haus verlassen hatte, ist es explodiert. Zum Glück wurde niemand verletzt, das hätte schlimm ausgehen können!

Dürfen Sie einen Kaffee trinken, wenn Sie dazu eingeladen werden?

Ja, aber das passiert selten. Zum Glück, sonst wäre ich aufgeladen wie eine Batterie. Wir haben keine bestimmten Arbeitszeiten und vermeiden die Mahlzeiten. Nach Einbruch der Dunkelheit lesen wir auch nicht mehr ab.

Was soll der Kunde unternehmen, wenn er einen Fehler auf der Rechnung findet?

Die Rechnung wird einen Monat nach dem Ablesen verschickt. Wenn es ein Problem gibt, dann muss der Kunde den Energieversorger kontaktieren.

Wird sich Ihre Tätigkeit in Zukunft weiterentwickeln?

Ja, das heißt, der Beruf wird allmählich aussterben. Mit fernablesbaren Zählern kann der Zählerstand über das Stromnetz abgelesen werden. Das funktioniert bereits in den Mittel- und Hochspannungsnetzen. In fünf Jahren sollten fast alle Niederspannungszähler durch fernablesbare Geräte ersetzt worden sein. Wahrscheinlich wird es noch einige Ableser geben, die mit Kontrollen beauftragt werden, aber sonst wird der Beruf langsam aussterben.

Servais Rodesch, vielen Dank.

Nichts zu danken!