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Interview mit Luc Diswiscour

Monsieur 220.000 Volt

Masten, die mehrere Dutzend Meter hoch sind, Kabel, die Strom mit einer Spannung von 65.000 bis 220.000 Volt transportieren, ein Stromnetz von mehr als 550 km. In Luxemburg herrscht Hochspannung dank engagierten und mutigen Männern, die diese Anlagen installieren und instandhalten. Luc Diswiscour ist einer von ihnen. Er erzählt uns von seiner Leidenschaft.

In welcher Abteilung arbeiten Sie? Welche Aufgaben hat Ihre Abteilung?

Ich gehöre dem Service „Hochspannung“ der Abteilung Asset Management an. Wir sind zuständig für den Bau von Hochspannungsleitungen ab 65.000 Volt und Großbaustellen externer Firmen. Wir unterscheiden zwischen den Gräben für unterirdische Leitungen, für deren Aushebung wir luxemburgische Unternehmen beauftragen, und dem Bau von Masten, den zwingend Großunternehmen übernehmen müssen. Diese wählen wir aus auf der Grundlage von Ausschreibungen, die von unserem Service „Hochspannung“ formuliert und von unserem Einkauf organisiert werden.

Die Stromleitungstrassen werden vom technischen Service realisiert. Die Genehmigungen der Eigentümer werden uns von den zuständigen Services mitgeteilt, und wir beschäftigen uns mit der konkreten Organisation der Baustellen.

Ständig werden neue Leitungen installiert, um alte Anlagen zu ersetzen oder die Stromübertragungskapazität zu steigern. Dementsprechend groß ist unser Arbeitsvolumen.

Wie ist Ihre genaue Funktionsbezeichnung?

Baustellenorganisator.

Wie würden Sie Ihre Funktion beschreiben?

Meine Funktion umfasst mehrere Aufgaben: Koordinierung der Baustellen, Kontakt mit den Eigentümern der Grundstücke, auf die wir bauen, Sicherheitsaufsicht und Prüfung, ob Lieferung und Arbeitsausführung mit dem Auftrag übereinstimmen. Wenn sich der Bau seinem Ende nähert, bereite ich die Abrechnung vor und überprüfe insbesondere, ob die Rechnungen und Aufschläge tatsächlich den Leistungen und Lieferungen für die entsprechende Baustelle entsprechen. Die meisten meiner Tätigkeiten fallen draußen auf dem Terrain an und nicht im Büro.

Im Zusammenhang mit Hochspannungsleitungen wird erwogen, Drohnen einzusetzen. Warum?

Um den Zustand eines Mastes eingehend zu prüfen, muss man entweder klettern oder Drohnen einsetzen, je nach dem Bauteil, das untersucht werden muss.

Wenn ein Mast überprüft wird, dann ist das unter den gegebenen Umständen ein Großprojekt mit riskanten Eingriffen. Man muss zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, nämlich den Strom unterbrechen und bis auf die Mastspitze klettern. Eine Drohne dagegen fliegt per Fernbedienung um den Mast herum und macht Aufnahmen.

Es muss weder der Strom abgeschaltet werden noch werden die Monteure Gefahren ausgesetzt. Wir testen diese Lösung gerade, um die so gewonnenen Informationen zu überprüfen.

Setzen Sie auch Hubschrauber ein?

Wir setzen regelmäßig Hubschrauber für Betonierungsarbeiten, bei der Aufrichtung der Masten sowie bei Reparaturen an Stellen ein, die wir mit landgestützten Maschinen nicht erreichen. Auch unsere Kollegen von Asset Service setzen sie ein, um eine Draufsicht auf die Stromleitungen zu erhalten.

Welche Ausbildung und welche Fähigkeiten sind für diese Stelle notwendig?

Ich bin Elektromeister und habe als Elektriker in einem Bauunternehmen angefangen. Ich habe in der Niederspannung gearbeitet und dann einen Posten in der Hochspannung erhalten. Vor meiner aktuellen Funktion arbeitete ich als Chefmonteur.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?

Was mir an der Hochspannung gefällt, ist der Gigantismus. Alles ist groß: die Masten, die Kabel, die Kräne, die Maschinen ... das ist einfach beeindruckend. Es ist auch interessant, weil jede Baustelle anders ist. Man muss aber wissen, dass der Arbeitstag häufig nicht nach 8 Stunden zu Ende ist. Die externen Firmen, die die Masten aufstellen, arbeiten im Sommer, solange es hell ist. Meine Aufgabe ist es, sie bei Problemen zu unterstützen, ich muss also telefonisch erreichbar sein.

Über welche menschlichen Qualitäten muss man verfügen?

Wenn wir uns auf ein Privatgrundstück begeben, reagiert der Besitzer sehr oft negativ, wenn er das Material und die Maschinen sieht – obwohl er uns vorab seine Genehmigung erteilt hat. In einem solchen Fall muss man als Baustellenverantwortlicher ruhig bleiben und mit ihm reden, ihm die Sachlage erklären und ihn gegebenenfalls an seine Unterschrift unter die Vereinbarung erinnern.

Herr Diswiscour, wir danken Ihnen für dieses Interview.