Zukünftige Netzentgeldstruktur

Öffentliche Konsultation zur zukünftigen Netzentgeltstruktur für die Mittelspannungs-, Hochspannungs-, und Höchstspannungsebenen in Luxemburg

Öffentliche Konsultation zur zukünftigen Netzentgeltstruktur für die Mittelspannungs-, Hochspannungs-, und Höchstspannungsebenen in Luxemburg

Öffentliche Konsultation : 16. Juni - 20. Juli 2025

Einleitung

Das luxemburgische Energiesystem befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – angetrieben durch die Energiewende, die voranschreitende Elektrifizierung sowie die Notwendigkeit, dezentral erzeugte Energiequellen zu integrieren. Diese Entwicklungen bieten viele Chancen, stellen aber auch große Herausforderungen an die Gestaltung und den Betrieb des Stromnetzes.

Bis zum Jahr 2050 werden sich die jährlichen Investitionen in die Netzinfrastruktur europaweit voraussichtlich verdoppeln1, was den Druck auf die Netzentgelte erhöht. Um einen unnötigen Ausbau der Infrastruktur zu vermeiden, braucht es klare, kostenreflexive Preissignale. Eine gut durchdachte und zukunftssichere Netzentgeltstruktur sollte ein Gleichgewicht zwischen Kostendeckung, Systemeffizienz, Nutzerfairness und der Erreichung der Dekarbonisierungsziele schaffen.

Vor diesem Hintergrund hat die Creos Luxembourg S.A. die Consentec GmbH mit einer unabhängigen Studie zur zukünfigen Ausgestaltung der Netzentgelte auf Mittelspannungs- (MS), Hochspannungs- (HS) und Höchstspannungsebene (HöS) beauftragt. Diese Studie baut auf früheren Überlegungen und Analysen der Regulierungsbehörde Institut Luxembourgeois de Régulation (ILR) auf, einschließlich der öffentlichen Konsultation von 20222 zur Reform der Netzentgeltstruktur.

Kontext

Die Energiewende bringt neue Anforderungen an den Netzbetrieb mit sich: steigende Energieflüsse, bidirektionaler Stromaustausch sowie vielfältigere und dynamischere Nutzungsmuster. Die traditionelle Entgeltstruktur, die stark auf Lastspitzen und Energievolumen basiert, ist hierfür zunehmend ungeeignet.

Eine moderne Entgeltstruktur sollte die tatsächliche Netznutzung und die Kostentreiber widerspiegeln, flexibles und effizientes Verhalten fördern und dabei für alle Nutzergruppen verständlich und fair bleiben.

Warum wird eine neue Entgeltstruktur benötigt?

Die aktuellen Netznutzungsentgelte auf MS-, HS- und HöS-Ebene bestehen aus einem Leistungs- und einem Energieanteil, die sich je nach jährlicher Benutzungsdauer des Netzes unterscheiden (Verhältnis zwischen der jährlich entnommenen Energiemenge in kWh und der maximalen Viertelstundenleistung in kW). Die Leistungskomponente wird auf die maximale viertelstündliche Leistungsaufnahme des Nutzers am Entnahmepunkt im Laufe des Jahres angewendet, während die Energiekostenkomponente auf das gesamte jährlich aus dem Netz entnommene Stromvolumen am Entnahmepunkt angewendet wird.
Aus dieser Tarifstruktur ergeben sich drei wesentliche Probleme:

  1. Die Abrechnung basiert stark auf einer einzelnen 15-minütigen Lastspitze, unabhängig davon, wie häufig solche Spitzen auftreten oder ob sie in Netz-Niedriglastzeiten erfolgen. Seltene Spitzen werden somit auch dann „bestraft“, wenn sie das Netz nicht belasten.
  2. Die zunehmende Integration volatiler erneuerbarer Energien (Wind und Sonne) verursacht Engpässe im Netz, die durch erhöhten Verbrauch abgeschwächt werden könnten. Die bestehende Struktur setzt jedoch keine Anreize für zusätzlichen Verbrauch bei hoher Einspeisung.
  3. Die Näherung der Simultanitätsfunktion sowie das Erfordernis, auf jeder Spannungsebene Kosten und erwartete Erlöse in Einklang zu bringen, führen zu Instabilität und mangelnder Vorhersehbarkeit der Entgeltbestandteile.

Ein neues Modell soll daher die tatsächliche Netznutzung besser widerspiegeln, Flexibilität fördern, teure Netzausbauten vermeiden, mehr Nutzern Kapazitäten bereitstellen und die Integration erneuerbarer Energien erleichtern.

Wesentliche Erkenntnisse der Konsultation von 2022

Die Konsultation von 2022 hat mehrere zentrale Bausteine für eine zukunftsfähige Netzentgeltstruktur herausgearbeitet:

  • Übergang zu einem kapazitätsbasierten Abonnementmodell (ex-ante), insbesondere für Nutzer auf Mittel- und Hochspannungsebene. Das Zielmodell basiert auf einer vorab festgelegten (ex-ante) abonnierten Leistung, die vom Nutzer je nach Zeitfenster definiert wird.
  • Zeitvariable Tarife um Netzbelastungen während Spitzen- und Schwachlastzeiten abzubilden. Dies ermöglicht eine effizientere Netzkapazitätszuweisung und dynamische Preisimpulse.
  • Unterscheidung zwischen fester (garantierter) und nicht fester (unterbrechbarer) Kapazität mit jeweils differenzierten Preissignalen. Dies ist ein zentrales Gestaltungsmerkmal, wobei sich Kosten und Verfügbarkeit je nach Tageszeit und Netzbelastung unterscheiden.
  • Schriftweise Reduzierung des Anteils volumetrischer Entgelte zugunsten kapazitätsbasierter Signale. Energiebezogene Entgelte sollen zukünftig hauptsächlich marginale Kosten decken, während Kapazitätsentgelte die Infrastrukturkosten und den Nutzerbeitrag widerspiegeln.
  • Förderung von Flexibilität und effizienter Nutzung bestehender Infrastruktur statt Netzausbau. Das gesamte Modell zielt darauf ab, durch gezielte Verhaltensanreize kostspielige Netzausbaumaßnahmen zu vermeiden oder zu verschieben.
  • Klare, transparente Struktur abgestimmt auf Spannungsebene und Nutzertyp. Unterschiedliche Umsetzungsvarianten für Niederspannung im Vergleich zu Mittel- und Hochspannung, jedoch innerhalb eines einheitlichen Rahmens mit Vorhersehbarkeit, Transparenz und Nichtdiskriminierung.

Überlegungen aus der Consentec-Studie & Reformthemen

Die Studie von Consentec aus dem Jahr 2025 baut auf den Grundlagen der Konsultation von 2022 auf und entwickelt diese weiter. Zentrale Vorschläge umfassen:

  • Die Kostenverteilung auf Basis von Lastspitzen (Peak Loads) ist nur eine von mehreren sinnvollen Methoden. Alternative Kaskadierungsvariablen wie der jährliche Bruttoverbrauch oder Transformatorenkapazitäten (anstelle von Lastspitzen) können stabiler und transparenter sein.
  • Die Simultanitätsfunktion basiert auf der Annahme, dass die Nutzungsdauer mit dem Beitrag eines Nutzers zu den Netzlastspitzen korreliert. Diese Annahme ist jedoch fragwürdig. Die Studie empfiehlt, die Simultanitätsfunktion künftig abzuschaffen. Ein schrittweiser Übergang wird angeraten, um disruptive Effekte zu vermeiden. Die Zuweisung der Netzkosten über einen festen Verteilungsschlüssel auf die Tarifkomponenten ist stabiler, transparenter und leichter umsetzbar.
  • Die Einführung eines Referenzleistungskonzepts, bei dem Nutzer für eine selbst gewählte Leistung bezahlen und bei Überschreitung dieser ein Aufschlag pro entnommener Energieeinheit erhoben wird. Dies soll Anreize und Fairness besser in Einklang bringen und eine flexiblere Nutzung ermöglichen.
  • Bewertung von Erzeugerseitigen Netzentgelten und deren Auswirkungen auf Investitionen und Eigenverbrauch
  • Prüfung neuer Preissignale, die netzfreundliche Flexibilität und zeitlich verschobene Nutzung (Lastverschiebung) belohnen.

Ziel der Konsultation

Ziel dieser Konsultation ist es, Rückmeldungen aller Beteiligten – Netznutzer, Erzeuger, Verbraucher, Lieferanten und Branchenverbände – zur zukünftigen Entgeltstruktur zu sammeln. Es ist eine Gelegenheit, Stellung zu den Studien zu beziehen und eigene Anregungen einzubringen, die Ihre betrieblichen, wirtschaftlichen und technologischen Realitäten widerspiegeln.

Ziel ist es, gemeinsam ein robustes, transparentes, flexibles und klimafreundliches Netzentgeltsystem für Luxemburg zu gestalten.

So können Sie teilnehmen

Fragen an die Interessengruppen

Im Rahmen dieser Konsultation wurde ein Katalog mit 11 Fragen erstellt. Wir laden Sie ein, diese Fragen zu lesen und entweder per E-Mail an consultation.nste.mt.ht.tht@creos.net, oder über das MS Forms-Formular zu beantworten.

Online-Workshop über MS Teams

Am 26. Juni 2025 von 9:00-11:00 wird ein Workshop über Microsoft Teams organisiert, um eventuelle Fragen zu den Konsultationsdokumenten zu beantworten. Um daran teilzunehmen, können Sie sich mit den folgenden Informationen anmelden:

Join the Microsoft Teams meeting now
Meeting ID: 322 787 816 318 5
Passcode: WF6e3jX2

Creos fordert alle interessierten Parteien auf, ihre Antworten auf die Fragen sowie alle weiteren Kommentare bis spätestens 20. Juli 2025 entweder über das Formular oder per E-Mail.

Alle eingegangenen Rückmeldungen werden sorgfältig geprüft und fließen in die Weiterentwicklung der zukünftigen Methodik zur Festlegung der Netzentgelte ein. Zur Gewährleistung von Transparenz und zur Einbindung der Stakeholder wird eine Zusammenfassung der eingereichten Beiträge veröffentlicht.

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1 2025-ACER-Electricity-Network-Tariff-Practices
2 https://www.ilr.lu/consultations/consultation-publique-du-16-septembre-au-30-octobre-2022/

Konsultationsdokument

Die zur Konsultation vorgelegte Studie wurde von der Firma Consentec im Auftrag von Creos Luxembourg S.A. erstellt.

Consentec - Future network tariff structure for medium and high voltage power grid usage in the context of the energy market transition

1.90 MB
EN

Kommentare der Interessengruppen

Die eingegangenen Beiträge werden hier veröffentlicht, mit Ausnahme der Passagen, die von den Interessengruppen als vertraulich gekennzeichnet wurden. Creos Luxembourg behält sich jedoch das Recht vor, Kommentare und Reaktionen, die nicht im Zusammenhang mit dem Gegenstand dieser Konsultation stehen, nicht zu veröffentlichen.